Das Projekt SMARTGEM

Hintergrund

Migräne führt häufig zu einer starken Einschränkung der Lebensqualität und auch der Arbeitsfähigkeit. Der Zugang zu medizinischen Kopfschmerzexpertinnen/-experten und spezialisierten Schmerztherapeutinen/-therapeuten ist jedoch im städtischen und vor allem im ländlichen Bereich begrenzt. Digitale Angebote mit Hilfe von Smartphone-Apps und eine telemedizinische Vernetzung von Patientinnen und Patienten, spezialisierten Zentren und niedergelassenen Ärztinnen und Ärzten können neue Möglichkeiten zur Verbesserung der Versorgung von Kopfschmerzpatientinnen und -patienten bieten. Ob solche Maßnahmen aber wirklich zur einer effektiveren Migränetherapie beitragen, wurde bisher nicht ausreichend untersucht.

Wir möchten in dem Projekt SMARTGEM Patientinnen und Patienten mit häufiger Migräne eine neue Versorgungsform anbieten. Diese besteht aus verschiedenen digitalen Angeboten:

1.Smartphone App „M-sense Premium“

Mit der App können die Patientinnen und Patienten ihre Kopfschmerzen in einem elektronischen Tagebuch dokumentieren. Hierdurch wird die Therapie überwacht und gleichzeitig können mögliche Auslöser für die Migräneattacken identifiziert werden. In dem für die/den Ärztin/Arzt generierten Kopfschmerzreport wird nach den Kriterien der internationalen Kopfschmerzgesellschaft (IHCD-3) unterschieden, ob es sich hierbei um Migräne oder Spannungskopfschmerzen handelt. Durch ein integriertes Therapiemodul werden die Patientinnen und Patienten bei der Durchführung von Entspannungsverfahren und Ausdauersport unterstützt und in individuellen verhaltenstherapeutischen Ansätzen geschult.

2. Kommunikationsplattform (Patientenforum / Expertenchat)

Die Patientinnen und Patienten können sich per Smartphone, Tablet oder Computer auf einer Kommunikationsplattform einloggen, um in einem ärztlich moderierten Forum Fragen zu stellen und sich mit anderen Patientinnen und Patienten auszutauschen. Im Rahmen von 3x pro Woche stattfindenden Expertenchats können sie außerdem direkt Kontakt zur Ärztin oder dem Arzt der behandelnden Kopfschmerzambulanz aufnehmen. Hierdurch sollen Kommunikationswege zwischen Ärztin/Arzt und Patientin/Patient verkürzt werden.

3. Telekonsil

Die weiterbehandelnden niedergelassenen Ärztinnen und Ärzte und die Ärztinnen und Ärzte der universitären Kopfschmerzambulanzen können die erhobenen Kopfschmerzdokumentationen ihrer Patientinnen und Patienten über die gemeinsame Plattform einsehen. Hierüber können sie sich bei Bedarf rasch über die Therapie abstimmen und über mögliche Therapieänderungen beraten.

Teilnahme

An dem Projekt können alle Patientinnen und Patienten teilnehmen, die sich erstmalig in der Kopfschmerzambulanz der Charité, der Universitätsmedizin Rostock oder des Universitätsklinikums Halle (Saale) aufgrund einer häufigen Migräne anmelden. Das Projekt wird vom Juli 2018 bis Oktober 2021 gefördert. Eine Teilnahme ist voraussichtlich ab November 2018 bis September 2020 möglich.

Evaluation

Die Wirksamkeit von SMARTGEM wird in einer randomisierten kontrollierten Studie untersucht. Die Evaluation von SMARTGEM soll Erkenntnisse liefern, die vom Gemeinsamen Bundesausschuss (G-BA) in seine Richtlinien zur Gestaltung der Versorgung übernommen werden können oder dem Gesetzgeber als Grundlage für strukturelle Veränderungen des gesetzlichen Rahmens dienen können. Sollte SMARTGEM erfolgreich sein, hat es Modellcharakter für universitäre Kopfschmerzambulanzen, für Kliniken die sich auf Kopfschmerzerkrankungen spezialisiert haben sowie für Kopfschmerzschwerpunktpraxen – vor allem in strukturschwachen Regionen.

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